Wenn sich IT & Touristik Impulse geben

— Guest-blogpost by Lena Schiller Clausen —

Veränderung ist irrational.

Mal im Ernst, es gibt ja nicht ohne Grund Handlungsweisen, die sich über Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte entwickelt und etabliert haben. Die Realität beweist es uns: sie sind rational – also Nutzen maximierend – und somit optimal zielführend. Konsequenterweise muss die Wahl anderer Handlungsweisen unvernünftig sein.

Es sei denn… – und mit der Fortsetzung dieses Satzes legte der Publizist und Zukunftsforscher Erik Händeler  den Grundstein für das „IBM & TUI Impulscamp“, das am 19. und 20. Januar im Modul57 stattfand.

Der einzig valide Grund für eine „Veränderung wider Willen“ ist laut Händeler vor allem (relative) Knappheit. Was seiner Zeit zum Beispiel der Rohstoffmangel, ist heute Zeit- oder Informationsmangel, der sowohl uns Individuen als auch Organisationen dazu bringt, Lösungen zu wählen, die zunächst nicht optimal, aber dafür weniger fehleranfällig sind. Bis es allerdings soweit kommt, muss der Schuh so richtig drücken – und das wird er vor allem in der Verknappung von Wissen und es wird unsere größte Herausforderung dieser Zeit ist, unser Sozialverhalten als Individuen und Organisationen daran anzupassen.

Nach diesem Einstieg präsentierten und diskutierten mehr als 50 Manager und Entrepreneure aus der Touristik und IT-Branche ihre Ansätze, mit den Herausforderungen der sich immer schneller wandelnden Bedingungen umzugehen – und ihren Einfluss auf unsere Geschäftsmodelle, auf uns als Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Technologie-Entwickler, Dienstleistungsanbieter und Kunden.

Den Bogen zwischen diesen verschiedenen Unternehmenskomponenten spannte Raimon Christiani, Global Leader Travel & Transportation Center of Competence, IBM Schweiz, in seiner Präsentation zu Transformation der Vertriebsmodelle als Antwort auf den Smarter Consumer. Vor allem eine engere Verzahnung ist der Schlüssel zu zukunfts-  und anpassungsfähigen Vertriebsmodellen.

Und Vernetzung zeichnete sich durch das ganze Impulscamp hindurch als einer der wichtigsten Lösungansätze ab  – wie auch im Vortrag von Prof. Manfred Krafft von der Universität Münster, der über Customer Relationship Management nicht als ein IT-System sprach, sondern als eine Einstellung des Unternehmens gegenüber seinen Kunden. Die Frage, dass eine Beziehung zu den Kunden gestaltet werden soll, muss im Vordergrund stehen – und nachgeordnet dann die Überlegung, wie diese mit der Vielzahl an Kanäle, die zur Verfügung stehen, abgebildet werden kann.

Wie Vernetzung aber auch innerhalb des Unternehmens gefördert werden muss – zum Beispiel das interne “facebook” bei IBM als Kommunikationsplattform – zeigte Ivo Körner auf, Vice President Software Group, IBM Deutschland. Auch hier gilt: nicht die tools, sondern erst das Sozialverhalten der Mitarbeiter, das durch das tool unterstützt wird, machen ein Unternehmen wie IBM zu einem „Social Business“ und einen attraktiven Arbeitgeber. Darüber sprach ebenso Dr. Peter Engelen, Konzernvorstand Personal & Recht, TUI AG in seinem Vortrag: wie über Employer Branding der Herausforderung im Recruiting, wie vor allem Fachkräftemangel vor allem im Bereich Touristik und IT, begegnet werden kann, in dem der zunehmenden Verschmelzung von Arbeit und Leben, work-life oder work-in-life-balance Rechnung getragen wird.

Daran anknüpfend stelle Prof. Axel Haunschild, Leiter des Instituts für interdisziplinäre Arbeitswissenschaft an, die Frage: Wie wollen wir arbeiten oder wie wollen wir leben und wie wollen wir arbeiten lassen? Die Diversität von Lebenskonstrukte und -stile, Produktionsformen, Qualifikation, Präkaritäts- und Risikowahrnehmung haben einen großen Einfluss auf die  Ausgestaltung von Arbeitsbeziehungen.”Wir” sind eine heterogene Gruppe, unser “Wollen” ist abhängig von machtvollen Organisationen, der globalen Verzahnung und unserem Platz in der Gesellschaft, und “arbeiten” ist stark davon abhängig, wie wir leben wollen und oft mit gleichen Werten versehen: frei, gerecht und gemeinschaftlich.

Eine Klammer um den Umgang mit den Herausforderungen der beschleunigten Wandels und die vorgestellten konkreten Beispiele setzen Prof. Gunnar Spellmeyer, Hochschule Hannover und Björn Dorra, CTO bei d1. Sie stellten kreative Methoden zu Problemlösung in der IT-Entwicklung vor. Ihr Vorschlag: Unserem sich immer schneller verändernden Umfeld eine beschränkte Rationalität gegenüber zu stellen, indem wir eine Quantität an „kreativem Mist” produzieren und daraus die Qualität herausfiltern, um zu den wenigen aber bisher ungedachten Ideen zu kommen.

Schliesslich gab es noch ganz konkrete Lösungen, die uns bei einem besonderen Dilemma unserer Zeit unter die Arme greifen können: dem Informationsmangel bei gleichzeitgen Informationsüberfluss.
Zum allumfassenden Management von Kundendaten und dem Pflegen von Kundenbeziehungen: SugarCRM, der ein vernetztes und vernetzendes CRM-tool, das den derzeitigen Vorstellungen von Vernetzung gerecht wird und sich durch Offenheit und Integrationsmöglichkeiten auszeichnet.

Und das neue IBM-Produkt Watson, bekannt geworden durch seinen Sieg über die beiden Jeopardymeister: ein System, das die moderne Datenflut auf das Wesentliche reduzieren kann und diese so für die Menschen wieder nutzbar macht.

Angestiftet durch den vorhergegangenen umfassenden Wissenaustausch, führten die zwei abschliessenden Barcamp-Sessions zum Thema „Onlinisierung unserer Strukturen – aber wie?“ und „Open Space – wollen wir vernetzt arbeiten?“ zu breit gefächerten theoretischen und praktischen Ansätzen und Ideen.

Onlinisierung ist kein IT-Projekt sondern eine Kulturveränderung, die im ganzen Konzern greifen muss. Dabei könnte der Prozess des „auf-online-Umstellens“ folgende Komponenten enthalten: Informationssammlung über Umgang mit dem web in relevanten Bereichen (Kunden, Partner, Mitarbeiter), prototypisches Vorgehen beim Evaluieren der Relevanz und Nutzbarkeit der unterschiedlichen online-tools in der Touristik, Professionalisierung der Erkenntnisse aus Prototypischer Vorgehensweise mit dem Ziel eine Strategie zu erarbeiten: was wollen wir online erreichen und welche tools können uns dabei unterstützen?

Beim Thema „Open Space – wollen wir vernetzt arbeiten?“ trafen Erfahrungen sowohl von IBM-Mitarbeitern als auch selbstständigen Coworkern aus dem Modul 57 und dem betahaus Hamburg aufeinander. Die Wahrnehmung von Vor- und Nachteilen der offenen Arbeitsflächen war deckungsgleich, interessanter Unterschied allerdings: Mitarbeiter des Konzerns haben im Vergleich zu Selbstständigen und Startups in coworking-spaces nicht die Wahl.
Als Nachteile wurden definiert: Lärm, zu viel Kontrolle der Arbeitsweise, Schwierigkeit der Sicherung/Abschottung von sensiblen Daten, Pseudo-Produktivität, keine Möglichkeit seinen Arbeitsplatz zu personalisieren. Dennoch überwiegen die Vorteile: Inspiration durch scheinbar arbiträre Begegnungen, Kompetenzaustausch, kurze Kommunikationswege, Gestaltung der Arbeitsprozesse ist ortsungebunden, flexibel und digital.

Abschliessend gehört es sich, bei einem blogpost über eine Konferenz, den Organisatoren – Matthias Wunderlich, TUI und Bernhard Strauss sowie Friedel Jonker, IBM zu danken – die diese Vielfalt an Themen und Sprechern zusammengetragen haben und mit dem Format aus Keynotes und Diskussion regen Austausch und Vernetzung ermöglichten.

 — Guest-blogpost by Lena Schiller Clausen —

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>